Die Krise als Chance

Die „Corona-Krise“ beeinflusst unser aller Leben. Standen zu Beginn die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie im Vordergrund, so sind es jetzt die tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen, die sehr viele Menschen vor existenzielle Herausforderungen stellen. Die Arbeitslosigkeit ist in nur wenigen Monaten auf einen Rekordwert von einer halben Million in die Höhe geschnellt. Rund eine Million Beschäftigte befinden sich aktuell in Kurzarbeit. 

Justin Kadi und Markus Marterbauer haben für uns Analysen vorgenommen, die uns helfen, die derzeitige Situation zu verstehen und daraus die richtigen politischen Schlüsse zu ziehen.

Justin Kadi beschäftigt sich in seinem Beitrag mit den aktuellen Entwicklungen und Perspektiven am Wohnungsmarkt. Mit Hilfe eines Wohnproblemindexes belegt er, welche sozialen Gruppen am stärksten betroffen sind.

Gerade jetzt in dieser Krisensituation zeigt sich der große Stellenwert der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft, wenn es um die Bereitstellung von qualitätsvollem und leistbarem Wohnraum als lebenswichtige Infrastruktur geht. In einer für unsere Bewohnerinnen und Bewohner schwierigen Zeit sind die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen verlässliche Partner und bieten in individuellen Notlagen sozial verantwortliche Lösungen in Form von Ratenzahlungen, Mietstundungen und Delogierungsstopps an. Ein sichtbarer Beweis der im WGG verankerten Gemeinwohlorientierung!

Insoweit stellt die Krise auch eine Chance für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft dar. Sie bietet die Gelegenheit, auf die Leistungen und den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert der gemeinnützigen Wohnungsunternehmen als wesentliche Säule des österreichischen Sozial- und Wohlfahrtsstaates verstärkt aufmerksam zu machen. Wie Markus Marterbauer in seinem Kommentar in der vorliegenden Ausgabe unseres vwbf-Newsletters treffend hinweist, stellt der funktionierende Sozialstaat in der Krise seine Überlegenheit gegenüber privaten Alternativen eindrucksvoll unter Beweis. Dazu trägt auch der gemeinnützige Wohnbau maßgeblich bei. Er bietet nicht nur breiten Bevölkerungsschichten sozial gebundenen Wohnraum, sondern stabilisiert aufgrund seiner gewichtigen Marktposition auch das Wohnungsangebot. 

Markus Marterbauer ist daher beizupflichten, dass eine der Lehren der Krise die Festigung der sozialstaatlichen Säulen und damit auch die Stärkung des gemeinnützigen Wohnbausystems sein sollte. Also jene „Alltagsökonomie“ und ihre materiellen Grundlagen, die alle Menschen benötigen, um im Alltag gut leben zu können. Diese „Alltagsökonomie“ kennzeichnet vor allem auch die gesellschaftliche Einbettung wirtschaftlichen Handelns: Wichtig sind jetzt Kooperation und gesellschaftliche Solidarität anstelle von bedingungslosem Wettbewerb und kurzfristiger Gewinnmaximierung für einige Wenige.

Ich bin davon überzeugt, dass es gerade jetzt gilt, diese Frage des alternativen, nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Wirtschaftens intensiv zu diskutieren und Reformen in diesem Sinne einzufordern. 

Untrennbar damit verbunden sind auch Maßnahmen gegen den Klimawandel. Forcierte Anstrengungen zur Erreichung der Klimaschutzziele waren bereits vor der Corona-Krise ein Gebot der Stunde. Massive Investitionen in den Klimaschutz sind es heute nicht weniger – ganz im Gegenteil. Angesichts der COVID-19-bedingten Wirtschaftskrise stellt ein umfassendes Investitionspaket für den Klimaschutz eine Win-win-Situation dar. 

Aktuell arbeitet eine Expertengruppe des vwbf an einem „Green New Deal für die Wohnungswirtschaft“. Ich freue mich, euch in der kommenden Ausgabe unseres Newsletters unsere Vorschläge für einen „klimaneutralen“ Wohnbau vorstellen zu können. Geplant ist auch ein Bericht über die Kooperation des vwbf mit der BAWO, dem Dachverband für die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe in Österreich. 

Hinweisen möchte ich auch zum Abschluss noch auf eine ganz wichtige Initiative des vwbf zur Frauenförderung. Der Vorstand hat beschlossen, durch Kooptierung von 8 Kolleginnen und eine Aufstockung auf vorübergehend 30 Mitglieder eine Frauenquote von einem Drittel einzuführen. Damit soll die gremiale Präsenz durch weibliche Führungskräfte in unserer Branche deutlich verbessert und dem Ziel einer ausgewogenen Beteiligung angenähert werden. Dies soll nicht nur für unseren Verein ein wichtiger Schritt, sondern auch ein verbandspolitisches Signal sein.

Ich wünsche eine spannende Lektüre und verbleibe mit freundschaftlichen Grüßen

Michael Gehbauer, Obmann vwbf

Investitionen gegen die Covid-Krise