Ortskernbelebung und die Rolle der Gemeinnützigen

Wenn wir über Ortsentwicklung sprechen, reden wir oft über Gebäude, Fassaden oder Bauprojekte. Tatsächlich entscheidet sich die Zukunft einer Gemeinde aber an einer anderen Frage. Wollen Menschen dort nur wohnen oder wollen sie dort leben?

Viele Ortszentren stehen unter Druck. Das sieht man nicht nur an leerstehenden Geschäftslokalen. Man spürt es dort, wo Begegnungen seltener werden und Gewohnheiten sich verändern. Wer heute etwas braucht, bestellt oft online. Wer neu baut, zieht nicht selten an den Ortsrand. Während draußen neue Siedlungen entstehen, verliert die Mitte an Kraft.

In Trofaiach beschäftigt uns diese Frage seit vielen Jahren. Wir haben gelernt, dass Ortskernbelebung nicht mit einem einzelnen Projekt beginnt und auch nicht mit einer neuen Markierung endet. Ein Ortskern wird dann lebendig, wenn Menschen einen Grund haben, dort zu sein. Wenn Kinder zur Musikschule gehen. Wenn Jugendliche einen Treffpunkt haben. Wenn jemand auf ein Gespräch stehen bleibt. Wenn eine Wohnung im Zentrum wieder bewohnt wird und am Abend Licht hinter den Fenstern brennt.

Mir gefällt dazu ein Bild besonders gut. Viele Orte entwickeln sich wie ein Donut. Außen wächst die Gemeinde, während in der Mitte ein Loch entsteht. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, wieder ein Krapfen zu werden. Eine starke Mitte, die zusammenhält und dem Ort Identität gibt.

Dabei kommt den gemeinnützigen Wohnbauträgern eine wichtige Rolle zu. Sie betrachten ein Projekt nicht nur bis zur Schlüsselübergabe. Sie übernehmen Verantwortung für Jahrzehnte. Wer langfristig denkt, baut nicht einfach Wohnungen. Er gestaltet Nachbarschaften.

Gerade in Ortszentren brauchen wir Partner, die bestehende Strukturen weiterentwickeln, anstatt immer neue Flächen zu verbrauchen. Jede Wohnung, die im Zentrum entsteht, stärkt das Umfeld. Menschen nutzen Nahversorger, besuchen Veranstaltungen und sorgen dafür, dass Ortskerne nicht zur Kulisse werden.

Dabei geht es nicht um Nostalgie. Niemand will die Gemeinde von gestern konservieren. Es geht um die Frage, wie wir künftig leben wollen. Dort, wo Wege kurz sind und Infrastruktur bereits vorhanden ist, entsteht Lebensqualität, die man nicht verordnen kann.

Die Gemeinde allein kann diese Entwicklung nicht steuern. Ebenso wenig kann es der Wohnbau allein. Erfolgreiche Ortsentwicklung entsteht dort, wo Verantwortung geteilt wird.

Wer Ortskerne stärken will, muss auch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Viel zu oft scheitern gute Ideen nicht am fehlenden Willen, sondern an Regeln, die aus einer anderen Zeit stammen. Wenn bestehende Gebäude saniert, umgebaut und wieder genutzt werden sollen, müssen wir genau das erleichtern. Es braucht Wohnbauförderungen, die Investitionen im Ortskern begünstigen. Es braucht baurechtliche Vorgaben, die Planungssicherheit schaffen und den Umbau historischer Gebäude ermöglichen, statt ihn unnötig zu erschweren.

Die Zukunft unserer Gemeinden entscheidet sich nicht auf der grünen Wiese. Sie entscheidet sich dort, wo sich Menschen begegnen, wo Alltag stattfindet und wo ein Ort sein Gesicht zeigt. Deshalb lohnt es sich, in die Mitte zu investieren.

Gastbeitrag von Mario Abl, MBA

Mario Abl ist Bürgermeister der Stadtgemeinde Trofaiach

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