Von Pawlatsche zu Pawlatsche – Stadtgeschichte im Gehen

Der Winter zeigte seine Zähne. Grauer Himmel, Kälte, Böen, die durch die Gassen fuhren. 

Trotz der widrigen Umstände folgten am 16. Jänner 2026 zahlreiche Mitglieder des Vereins für Wohnbauförderung der Einladung zu einem Stadtspaziergang, der mehr war als eine Führung. Es war ein Gang durch Epochen, durch Stadtgeschichte,durch Wohnbau als Spiegel der Gesellschaft.

Der Titel: Von Pawlatsche zu Pawlatsche.
Der Anspruch: nicht nostalgisch, sondern historisch-aktuell

Geführt wurde die Gruppe von Architekt Philipp Broinger. Präzise und kenntnisreich. Einer, der nicht erzählt, um zu beeindrucken – sondern um einzuordnen.

Der Auftakt: Spittelbergpassage, Ecke Gutenberggasse. Enge Höfe, knarrende Holzgalerien, Pawlatschen als frühe Gemeinschaftseinrichtungen. Orte, an denen Nachbarschaft sichtbar war. Wo Wohnen nicht privat begann, sondern gemeinschaftlich.

Dann der Weg zum Glacis. Und weiter in die Große Neugasse 25.
Ein Haus der Genossenschaft FAMILIE, das zeigt, wie der Bestand in eine klimafitte Zukunft modernisiert werden kann.

Hier übernahm Daniela Huber, Projektleiterin Energie & Innovation der Sozialbau AG. Sie sprach nicht in Schlagworten. Sie sprach in Lösungen. „Raus aus Gas“, rein in Energieeffizienz. Bauteilaktivierung und Wohnkonform sowie Leistbarkeit. Die Große Neugasse 25 als stiller Beweis, dass Gemeinnützigkeit nicht nur Haltung ist, sondern Handlung. Stehts im Einklang mit der Bewohnerschaft.

Dann der Bruch. Raus aus dem historischen Wien und der Innenstadt. Hinein ins Sonnwendviertel nach Favoriten.

Ein Vorzeige-Stadtteil, der neu ist – und dennoch an Bestehendes referenziert. An die gewachsene Stadt. An gesellschaftlich verantwortliche Stadtentwicklung im Rahmen bestehender Strukturen. 

Auch hier tauchte sie wieder auf: die Pawlatsche. Neu interpretiert. Nicht als Dekor, sondern als Struktur. Für Begegnung. Für Alltag. Für das zufällige Gespräch zwischen Tür und Geländer.

Die Kälte blieb. Die Gruppe blieb standhaft und rückte noch näher zusammen. Gespräche wurden länger. Fragen genauer. Der Spaziergang gewann noch mehr an Tiefe.

Der Ausklang im Restaurant Franny’s im Hotel Zeitgeist war dann ein willkommener, wärmender  Abschluss. Warme Getränke. Fachlichkeit mischte sich mit persönlichem Austausch. Genau so, wie es der VWBF versteht: als Netzwerk mit Haltung.

Bruno-Kreisky-Preis für sozial-ökologisches Wohnen und Zusammenleben 2025