Valencia – Stadt zwischen Wasser, Wachstum und Wohnungsnot

Eine 87-Jährige verliert ihre Wohnung, Zehntausende gehen auf die Straße: Spaniens Wohnungsfrage ist explodiert. Valencia, Ziel der VWBF-Studienfahrt im September, zeigt, wie es so weit kommen konnte – und was Österreich daraus lernen kann.

Fassade eines historischen Gebäudes in der Altstadt von Valencia
Guiding Architect Boris Strzelczyk zeichnet die Stadtentwicklung auf einen Stadtplan
Gewölbe der Lonja de la Seda in Valencia
Historisches Eckgebäude mit Kuppelturm in Valencia

Die vielen Gesichter einer Stadt – den Teilnehmer:innen der Studienfahrt nähergebracht von Guiding Architect Boris Strzelczyk. Fotos: S. Pisarik

Spanien hat ein Wohnungsproblem – und die Wut darüber wächst

In den letzten Tagen überschlugen sich die Ereignisse: Nachdem das spanische Parlament ein Maßnahmenpaket gegen die Wohnungsnot abgelehnt hatte, gingen am vergangenen Samstag in mehr als 50 Städten Spaniens Zehntausende Menschen auf die Straße – so auch in Valencia. Sie fordern mehr leistbaren Wohnraum und besseren Mieterschutz. Die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez gerät zunehmend unter Druck; Neuwahlen stehen im Raum.

Wie explosiv die Wohnungsfrage in Spanien inzwischen geworden ist, zeigt vor allem der Fall der 87-jährigen María del Carmen Abascal – eine Geschichte, die es sogar in die New York Times (24.9.2026) geschafft hat und die als Auslöser der derzeitigen Massenproteste gilt: Nachdem ein Immobilienunternehmen Abascals Miete von 500 Euro auf 2.650 Euro erhöht hatte – bei einer Pension von 1.350 Euro –, wurde sie schließlich aus ihrer Wohnung in Madrid, in der sie jahrzehntelang gewohnt hatte, delogiert. Der Fall ist aber mehr als eine persönliche Tragödie: Er steht exemplarisch für einen Wohnungsmarkt, auf dem steigende Immobilienpreise, hohe Mieten, touristische Nutzung und knappes Angebot immer stärker aufeinanderprallen – zusätzlich befeuert durch das fast völlige Fehlen eines gemeinnützigen Wohnungsmarktes. Denn in Spanien wird Eigentum großgeschrieben. Und das bereits seit vielen Jahren.

Während der Studienfahrt des VWBF von 9. bis 12. September präsentierte sich Valencia noch friedlich – doch unter der Oberfläche tickte bereits die Zeitbombe einer jahrzehntelang verfehlten Wohnungspolitik. Nun ist sie explodiert. Es bleibt abzuwarten, wie die Regierung auf den berechtigten Unmut der Menschen reagieren wird.

Gruppenfoto der Teilnehmer:innen der VWBF-Studienfahrt nach Valencia
Die Teilnehmer:innen der Studienfahrt des VWBF nach Valencia. Foto: C. Swoboda

Stadt der Gegensätze

Valencia ist eine Stadt der Gegensätze. Mehr als 2.000 Jahre alt, dicht bebaut und gleichzeitig erstaunlich grün; mit einer weitgehend autofreien Altstadt und gut ausgebauten Radwegen – und zugleich dichtem Autoverkehr auf den großen Achsen. Eine Stadt, die erst seit rund 20 Jahren stärker vom Tourismus geprägt ist und deren ohnehin angespannter Wohnungsmarkt diese Entwicklung inzwischen deutlich zu spüren bekommt.

Brückenbau von Santiago Calatrava in Valencia
L’Àgora von Santiago Calatrava
Palau de les Arts Reina Sofía von Santiago Calatrava

Mitverantwortlich für den Tourismusboom der letzten 20 Jahre sind wohl auch die Bauten von Santiago Calatrava. Fotos: S. Pisarik

Die erwähnte Liebe zur Eigentumswohnung hat eine politische Vorgeschichte, denn unter Franco wurde sie spanienweit gezielt gefördert. „Queremos un país de propietarios, no de proletarios“ („Wir wollen ein Land von Eigentümern, nicht von Proletariern“), verkündete José Luis de Arrese, der 1957 zum ersten spanischen Wohnungsminister ernannt worden war. Die Diktatur trieb zwar den Bau von Wohnungen massiv voran, propagierte aber gleichzeitig den Erwerb von Eigentum, während das Mietwohnen zunehmend an Bedeutung verlor. Die aus dieser Entwicklung resultierende starke Eigentumskultur verhinderte bis heute eine Wohnbaupolitik, die auch sozial schwächere Schichten mitdenkt.

„Ein großer Eigentumsmarkt ist nicht ideal, das hat auch diese Reise wieder bewiesen. Man muss auch in Österreich immer wieder dagegen kämpfen.“

Andrea Washietl, Obfrau des VWBF

Aber zurück zum Anfang: Die Fahrt vom Flughafen in die Stadt offenbart zunächst Valencias bemerkenswertes Verhältnis zu seinem Fluss. 138 v. Chr. von den Römern gegründet, lag Valencia in einem fruchtbaren Flussdelta und entwickelte sich früh zu einem wirtschaftlich bedeutenden Zentrum. Das Wasser war dabei stets ambivalent: Grundlage für Landwirtschaft und Wohlstand, zugleich aber eine permanente Bedrohung. Rund 300 bis 500 Meter hohe Hügelketten rund um die Stadt sorgen dafür, dass große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit zusammenkommen können.

Überschwemmtes Valencia am 15. Oktober 1957
Valencia am 15. Oktober 1957. Foto: unbekannter Fotograf, Wikimedia Commons

Vom Fluss zur grünen Oase

Nach regelmäßig wiederkehrenden, verheerenden Überschwemmungen entschloss man sich 1957, den Fluss umzuleiten – ein Vorzeigeprojekt der damaligen Franco-Diktatur. Wo bis dahin der Turia floss, befindet sich heute eine neun Kilometer lange und 200 Meter breite grüne Oase. Das Wasser ging, die insgesamt 18 Brücken blieben. Aus einem Hochwasserproblem entstand so eine eindrucksvolle Grünachse mitten in der Stadt, die 2024 unter anderem auch deshalb mit dem „European Green Capital Award 2024“ ausgezeichnet wurde. Das ist vor allem auch einer Bürgerinitiative in den 1970er-Jahren zu verdanken, die mit ihrer Kampfansage „El riu és nostre i el volem verd“ („Der Fluss gehört uns und wir wollen ihn grün“) eine für das trockengelegte Flussbett geplante Stadtautobahn verhinderte. Ab den frühen 1980er-Jahren wurde es schrittweise zum Jardín del Turia umgestaltet, der heute wesentlich zum Charakter Valencias beiträgt und ein Beispiel dafür ist, wie tiefgreifend Infrastrukturmaßnahmen die Identität einer Stadt verändern können.

Pinien und Palmen im Turia-Park
Weg durch den Turia-Park im ehemaligen Flussbett

Einblicke in den Turia-Park. Fotos: S. Pisarik

Während die Umleitung des Flusses als Erfolgsgeschichte der Stadt gilt, steht ihr in anderen Belangen das Wasser mittlerweile bis zum Hals: Steigende Wohnkosten, zunehmende touristische Vermietung, ein alternder Gebäudebestand und dramatisch knapper werdender öffentlicher Boden sorgen für ein Bild der strukturellen Fehlentwicklung, das sich den Teilnehmer:innen der VWBF-Studienfahrt präsentierte. Heuer interessierte vor allem die Frage, wie eine Stadt dieser Größenordnung (850.000 Einwohner:innen und somit drittgrößte Stadt Spaniens) mit Wachstum, Verdichtung und Wohnungsnot umgeht. Valencia ringt sichtlich mit den Folgen einer Wohnungspolitik, in der über Jahrzehnte kein großer, dauerhaft gebundener, sozialer Mietwohnungsbestand aufgebaut werden konnte.

Wohnen als Investitionsgut

Wie stark die heutige Wohnungskrise historisch geprägt ist, wurde auch im Rahmen der Vorträge am Instituto Valenciano de la Edificación (IVE) deutlich. Architekt Alberto Rubio Garrido beschrieb die spanische Wohnungspolitik als Ergebnis einer langen Entwicklung, an deren Ende nun Wohnen als Investitionsgut steht. „Es gibt keine Stabilisation – nur in dem Sinn, dass wir es immer stabil schlechter gemacht haben“, so Rubio illusionslos. Sein Fazit: Spanien sei in der Wohnungspolitik „Jahrzehnte hinterher“.

Dabei klingt das vorgestellte Prinzip der „vivienda protegida“ („geförderte beziehungsweise geschützte Wohnung“) eigentlich sinnvoll: Bewohner:innen erhalten über eine Liste Zugang zu leistbarem Wohnraum, der an bestimmte Voraussetzungen gebunden ist. Die Krux an der Sache: Zahlreiche ehemals geförderte Wohnungen gelangen nach Ablauf der sozialen Bindung auf den freien Markt – öffentliche Förderung kann damit letztlich also privates Eigentum schaffen.

„Das zeigt, dass nicht nur relevant ist, dass gebaut wird, sondern auch vor allem was gebaut wird. Also nur Wohnraum allein hilft nicht weiter, solange er nicht tatsächlich als gemeinnütziger Wohnraum dauerhaft den Menschen zugutekommt.“

Paul Stich, Abgeordneter zum Nationalrat
Architekt Alberto Rubio Garrido bei seinem Vortrag am IVE
Architekt Alberto Rubio Garrido spricht über den veralteten Wohnungsbestand in Valencia. Foto: C. Swoboda

Besonders problematisch ist auch der Zustand des Wohnungsbestands. Den präsentierten Zahlen zufolge sind 41 Prozent der Wohnungen älter als 50 Jahre – bei mehr als der Hälfte der Wohnungen gäbe es unmittelbaren Bedarf an einer umfassenden Sanierung. Hinzu kommt ein gravierendes Barriereproblem: 72 Prozent der Wohnungen in Gebäuden mit bis zu drei Stockwerken verfügen über keinen Aufzug. Gerade für ältere Bewohner:innen bedeutet das, dass sie ihre Wohnung kaum mehr verlassen können.

Zur baulichen Krise kommt die soziale: Einerseits stehen zahlreiche Wohnungen leer oder werden als Zweit- und Ferienwohnungen genutzt, andererseits können sich sozial schwächere Haushalte weder Eigentum noch die steigenden Mieten leisten. Aktuelle Daten fehlen aber: Über Jahrzehnte wurde der Wohnungsbestand nicht systematisch erfasst; die letzte umfassende Datengrundlage stammt aus dem Jahr 2011!

Tourismus, Boden und Eigentum

Auch Elisa Valía Cotanda von der sozialistischen Partei PSPV-PSOE sieht einen zentralen Konflikt zwischen der Schaffung von Wohnraum und der Frage, wem dieser Wohnraum tatsächlich zugutekommt. 70 Prozent der Wohnungen würden derzeit ohne Hypothek gekauft – ein Hinweis darauf, dass Investoren eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig werden nach ihren Angaben weniger Wohnungen gebaut, als benötigt würden, obwohl in Valencia rund 30.000 Wohnungen leer stehen. Klingt erstmal paradox, ist aber offenbar Realität der Menschen in Spaniens drittgrößter Stadt.

„Das Angebot wendet sich an die, die am meisten zahlen können“, fasst Valía Cotanda die Situation zusammen. Ihr Vorwurf richtet sich dabei auch gegen den Umgang mit öffentlichem Boden. Dieser werde weiterhin verkauft, wodurch langfristig jene Flächen verloren gingen, die für öffentlichen Wohnbau benötigt würden. Die Gefahr sei eine Rückkehr zu einer Gesellschaft, in der Wohnen zunehmend nur noch über Erbschaft leistbar sei. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Bodenpolitik und Wohnungsmarkt, der auch in Österreich zunehmend eine Rolle spielt. Wenn Gemeinden oder gemeinnützige Bauträger mit privaten Investoren um Grundstücke konkurrieren müssen, liegt auf der Hand, wie der ungleiche Wettkampf ausgehen wird. Paul Stich verweist deshalb auf die Notwendigkeit, Gemeinden und gemeinnützigen Akteuren einen bevorzugten Zugang zu Bauland zu ermöglichen.

Paul Stich, Elisa Valía Cotanda und Andrea Washietl
Nationalratsabgeordneter Paul Stich, Stadträtin Elisa Valía Cotanda und VWBF-Obfrau Andrea Washietl. Foto: C. Swoboda

Erste Ansätze für neue Modelle

Noch „in den Kinderschuhen“, so Julia Pineira von ProHabitem, stecke Valencia, was den Aufbau eines gemeinnützigen beziehungsweise genossenschaftlichen Wohnungssektors betrifft. Die Initiative versucht, öffentliche und private Akteure zusammenzubringen, den Bestand langfristig zu sichern und Wohnraum zum Gestehungspreis anzubieten. Derzeit sind aber lediglich sechs Projekte mit insgesamt rund 120 Wohnungen für die kommenden fünf Jahre in der Pipeline – im Vergleich zu Wien eine verschwindend geringe Größenordnung. Ein wesentliches Problem bleibt zudem die Finanzierung: Valencia verfügt über keine öffentliche Bank, die eine Finanzierung über klassische Hypotheken anbietet.

Andere spanische Städte zeigen aber, dass Kooperationen zwischen Genossenschaften und öffentlicher Hand funktionieren können – siehe Barcelona. Hier ist etwa das Netzwerk „Red Vivienda Cooperativa“ (Netzwerk für genossenschaftliches Wohnen) etabliert – ein Dachverband, der Projekte und Organisationen zusammenschließt, um das genossenschaftliche Wohnen in Spanien zu fördern.

Auch die EVHA, die valencianische Wohnbaugesellschaft, steht vor großen Herausforderungen. In den Provinzen Castellón, Valencia und Alicante gibt es insgesamt nur rund 14.000 Sozialwohnungen, davon besitzt die EVHA etwa 1.500. Mit dem Plan VIVE 2024–2027 sollen auf öffentlichem Grund 10.000 Wohnungen entstehen – ausschließlich als Mietwohnungen. Energieeffizienz spielt bei den neuen Projekten eine wichtige Rolle. Die Mieten der bereits vorhandenen EVHA-Wohnungen liegen bei äußerst moderaten 20 bis 300 Euro monatlich. Aber es sind viel zu wenige.

Dichte mit Freiraum

Ein völlig kontrastierendes Konzept verfolgte der Architekt Antonio Cortés Ferrando mit seinem Lebenstraum eines in die Höhe gestapelten Gebäudes aus terrassierten Einfamilienhäusern: hohe Dichte, aber mit Garten, Gemeinschaft und Freiraum. Der „Espai Verd“ im Stadtteil Benimaclet entstand in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren als Genossenschaftsprojekt und verfolgte eine ungewöhnliche Idee: Das Einfamilienhaus mit Garten sollte nicht am Stadtrand, sondern in der Höhe möglich werden. 109 Wohnungen sind in der komplexen, terrassierten Betonstruktur übereinander angeordnet; jede verfügt über private Grünflächen, dazu kommen gemeinschaftliche Gärten, Wege, Plätze, Sportflächen und sogar ein kleiner „Wald“ mit Bäumen.

Terrassierte Wohnanlage Espai Verd in Valencia
Antonio Cortés Ferrando, Espai Verd, Valencia, 1992–1994. Foto: S. Pisarik

Der „Espai Verd“ verbindet damit scheinbar gegensätzliche Vorstellungen: Dichte und Freiraum, Stadt und Natur, Privatheit und Gemeinschaft. Die massive, brutalistische Betonstruktur bildet dabei nicht den Gegensatz zur Vegetation, sondern deren Gerüst. Das Gebäude wurde um 45 Grad zur bestehenden Stadtstruktur gedreht, um die Wohnungen besser zu belichten und zu belüften.

Diese Form der Verdichtung mit Freiraum blieb allerdings ein singuläres Phänomen. Von internationalen Besucher:innen mit Architekturinteresse gestürmt, wäre heute so mancher Bewohner über etwas mehr Unscheinbarkeit des Gebäudes wohl froh.

Begrünte Terrassen des Espai Verd
Innenhof des Espai Verd mit Wasserbecken
Üppige Bepflanzung im Inneren des Espai Verd

Das Innere des Gebäudes überrascht mit Dschungelfeeling. Fotos: S. Pisarik

Was bleibt für Österreich?

Die Studienreise machte deutlich, dass Valencia vor allem ein Beispiel für die langfristigen Folgen einer Wohnungspolitik ist, die Eigentumsbildung, private Investitionen und die Verwertung von Grund und Boden stärker fördert als einen gemeinnützigen Wohnungsbau, der der Allgemeinheit zugutekommt. Gleichzeitig zeigt die Stadt, wie schwer es ist, verlorene Strukturen wieder aufzubauen: Genossenschaften, öffentlicher Wohnbau, Finanzierungsmodelle und kommunale Bodenpolitik müssen erst neu entwickelt werden. Für Österreich liegt darin durchaus eine Warnung. Paul Stich verweist darauf, dass auch hier eine schleichende Privatisierung langfristige Folgen haben könne.

Die Gespräche in Valencia führten damit immer wieder zu einer grundsätzlichen Frage zurück: Wohnen als Ware oder Wohnen als langfristig gesicherte soziale Infrastruktur? Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über Mietpreise und Eigentumsquoten, sondern über die Frage, wer in einer Stadt künftig überhaupt noch leben kann.

Gleichzeitig bietet Valencia auch städtebauliche Anregungen. Die Transformation des ehemaligen Flussbetts in eine grüne, die Stadt durchziehende Freiraumachse zeigt, welches Potenzial in einer konsequenten Umnutzung von Infrastruktur liegt. Die hohe Dichte der Stadt wirft zudem die Frage auf, wie Nachverdichtung gelingen kann, ohne weitere Flächen zu versiegeln. Und die weitgehend autofreie Altstadt verweist auf das Prinzip der Stadt der kurzen Wege.

Am Ende bleibt deshalb ein ambivalentes Bild: Valencia hat mit dem Turia-Park eine der eindrucksvollsten städtebaulichen Transformationen Europas geschaffen, kämpft aber gleichzeitig mit einem Wohnungsmarkt, der immer mehr Menschen vom Zugang zu leistbarem Wohnraum ausschließt. Gerade die Entwicklungen der letzten Tage haben gezeigt, dass die drastisch gestiegenen Mieten und der eklatante Wohnraummangel für die Spanier:innen schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins darstellen. Valencia zeigt im Kleinen, was Spanien im Großen beschäftigt: Es fehlt eine am Menschen orientierte Wohnbaupolitik. Die Mieten haben sich landesweit innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt, während die spanische Zentralbank von einem Fehlbestand von mehr als 700.000 Wohnungen ausgeht. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung, der Tourismus nimmt weiter zu und Ferienwohnungen entziehen dem regulären Wohnungsmarkt zusätzlichen Wohnraum. In beliebten Regionen verschärft zudem die Nachfrage ausländischer Käufer:innen den Preisdruck. Mehr Menschen, mehr Tourismus, mehr Nachfrage – aber zu wenig Wohnungen. Wenn nicht deutlich mehr Wohnraum geschaffen wird, könnte das Defizit bis 2028 auf rund eine Million Wohnungen anwachsen.

Die zentrale Lehre der Reise: Die Frage ist längst nicht mehr nur, wo und wie eine Stadt wachsen kann, sondern vor allem, für wen sie noch leistbar ist.

Text: Sonja Pisarik. VWBF-Studienfahrt nach Valencia, 9.–12. September 2026.

VWBF-Symposium 2026: Wohnen – hat die EU einen Plan? 11. November 2026, 15.00 Uhr, Ars Electronica Center Linz

Wohnen – hat die EU einen Plan?